Welthandel mit Steinkohle 2017 um 1,5 % gestiegen

Deutsche Kraftwerkskohleneinfuhren 2017 um 15 % eingebrochen – Steinkohle trägt im Gegensatz zu anderen Sektoren zur CO2-Minderung bei

Nach vorläufigen Berechnungen des Vereins der Kohlenimporteure e. V. ist 2017 der Welthandel mit Steinkohle um 1,5 % auf 1.140 Mio. t. gestiegen, die globale Steinkohleförderung sogar um 2 % auf 6,9 Mrd. t. Nach einem Rückgang im Jahr 2016 – über den kürzlich erst die Internationale Energieagentur berichtete - haben sich Förderung und Welthandel wieder erhöht. Allein die seewärtigen Ausfuhren der Vereinigten Staaten von Amerika (USA) sind um 30 Mio. t bzw. 60 % gestiegen. Zuwächse beim Seehandel gab es auch in Russland und in Südafrika um jeweils 7 %. Südafrika, einst ein wichtiger Lieferant Europas, beliefert nun ganz überwiegend asiatische Länder.

Der Rückgang der Produktion im Jahr 2016 war hauptsächlich durch die schwierige Situation in den USA mit einer Reihe von Insolvenzfällen und durch die Stilllegung unsicherer Bergwerke in der Volksrepublik China verursacht. In beiden Ländern waren aber 2017 wieder Zuwächse zu verzeichnen, in den USA um 7 % und in China um 2 %. Stark zugenommen hat auch die Förderung in Indien (+3,2 %).

Der Anstieg des Welthandels mit Steinkohle ist vor allem auf die wachsende Nachfrage in den AseanStaaten zurückzuführen, wo das verarbeitende Gewerbe stetig wächst. Der Bau moderner Steinkohlenkraftwerke und eine wachsende Stahlproduktion lösen eine zusätzliche Nachfrage nach Koks- und Kesselkohle aus. Das Entwicklungsmodell dieser Länder ist wie das der Volksrepublik China auf Steinkohle basiert und wird sich erst mit zeitlicher Verzögerung auch auf erneuerbare Energieträger stützen.

Die deutschen Steinkohleneinfuhren sind gegen den globalen Trend um rund 10 % oder 6 Mio. t massiv zurückgegangen. Während die Einfuhren von Kokskohlen um 0,6 Mio. t und die Einfuhren von Koks um 0,3 Mio. t zunahmen, ging der Einsatz zur Stromerzeugung sogar um rund 15 % oder fast 7 Mio. t zurück. Ursächlich hierfür ist vor allem der nahezu ungebremste Zubau von Windkraftanlagen in einem Jahr mit hervorragender Windausbeute. Der Beitrag von Onshore-Wind zur Bruttostromerzeugung stieg 2017 um 30 % (oder 2 %-Punkte), der Beitrag von Offshore-Wind um 47 % (oder 1 %-Punkt). Der Beitrag der Steinkohle zur Bruttostromerzeugung ging 2017 dagegen um 17 % (oder 3 %-Punkte) zurück.

Diese Zahlen machen mehr als deutlich, dass der Ausstieg aus der Steinkohleverstromung bereits Realität ist, und es keiner weiteren staatlichen Eingriffe bedarf. Steinkohlekraftwerke werden zur Flankierung der schwankenden Einspeisung der erneuerbaren Energieträger weiterhin dringend gebraucht, auch wenn ihre Erzeugung zurückgeht. Deshalb muss Steinkohlekraftwerken ein fairer Zugang zu Kapazitätsmärkten ermöglicht werden. Die jüngsten Beschlüsse des europäischen Energieministerrates greifen zu kurz: die geplanten CO2-Grenzwerte können weder von Steinkohlenkraftwerken noch von Gasturbinen eingehalten werden. Die hocheffizienten Gas- und Dampfturbinenkraftwerke werden nur in Verbindung mit industrieller Kraft-Wärme-Kopplung oder Fernwärme gebaut, nicht zum Ausgleich der schwankenden Einspeisung erneuerbarer Energieträger. Sollte die europäische Union an ihren Plänen festhalten, gefährdet sie ernsthaft die Versorgungssicherheit in Europa.

Hamburg, 12.Januar 2018