Pressemitteilung 02/2026

STEINKOHLE SPART GAS

  • Deutsche Steinkohlekraftwerke sind in einem guten Zustand
  • EU-Genehmigung möglich
  • Ältere Steinkohlekraftwerke aus der Netzreserve an den Strommarkt bringen
  • Stromerzeugung mit Steinkohle günstiger als mit Gas

Zu dem Artikel von BERLIN.TABLE vom 08. April 2026 (Energiepreiskrise: Warum eine Reaktivierung von Kohlekraftwerken kaum möglich ist) nimmt der Verein der Kohlenimporteure VDKi wie folgt Stellung:

  • Lage: Deutschland droht eine Gaskrise: LNG ist teuer, Gas aus dem Persischen Golf findet derzeit nicht den Weg zu den asiatischen Märkten. Ein Wettbewerb um die restlichen weltweit verfügbaren LNG Mengen wird die Gaspreise hochhalten und die Befüllung der deutschen Gasspeicher erschweren. Darum macht es aus deutscher Sicht des VDKi Sinn, Gas einzusparen, indem man verstärkt Kohle- statt Gaskraftwerke zur Stromerzeugung einsetzt. Die ca. 6,7 GW Steinkohlekraftwerke der Netzreserve sind dazu geeignet.
  • Wartungsstand Steinkohlekraftwerke: Anders als im Artikel von Berlin.Table behauptet („Verfügbarkeit stark eingeschränkt“), sind die deutschen Steinkohle-Netzreserve-kraftwerke in gutem Wartungszustand. Wenn der Wartungszustand so schlecht wie beschrieben wäre, könnten sie ihre Aufgaben in der Netzreserve nicht erfüllen. Beispiele: STEAG Kraftwerke Bexbach (726MW), Weiher (656 MW), Völklingen (ca. 400MW), Bergkamen (717 MW). Auch von anderen Kraftwerken wie GKM-Block 7 und 8 (ca. 820 MW), so wie Uniper (Scholven, ca. 700 MW, Staudinger 522 MW etc.) ist bekannt, dass sich diese in gutem Wartungszustand befinden.
  • Günstigere Stromerzeugung während Mangel der Erneuerbaren: Selbst ältere Steinkohlekraftwerke sind derzeit leicht in der Lage, günstiger Strom zu produzieren als Gaskraftwerke. Entscheidend ist aktuell nicht die Effizienz, sondern der Unterschied von Gas- und Steinkohlepreisen. Bei einem CO2 Zertifikatepreis von 72 Euro/MWh, derzeitigen Marktpreisen für in Europa gehandelte Steinkohle erzeugen ältere Steinkohlekraftwerke Strom zu Kosten von ca. 115 Euro/ MWH – moderne Steinkohleblöcke sogar zu 95 Euro/ MWh. Offene Gasturbinen haben derzeit Erzeugungskosten von 135 Euro/MWh (bei angenommenem LNG-Preis/TTF von 46.00 Euro/MWh).
  • Steinkohle spart Gas: Der VDKi ist der Meinung, dass Deutschland durch zusätzlichen Import von ca. 3 Mio. Tonnen Steinkohle ca. 2,0 Mrd. m3 Erdgas einsparen kann. Erdgas, das dann für Heizwärme im Winter eingespeichert werden kann. Wären im zurückliegenden Winter die Steinkohlenkraftwerke der Netzreserve im Strommarkt gelaufen, könnten die Speicherfüllstände 50 % höher sein als sie es jetzt sind. Der Versorgungsengpass mir Erdgas droht nicht jetzt, aber im nächsten Winter.
  • Klimabilanz der Steinkohle mindestens gleichauf mit LNG aus den USA: Dass Steinkohlekraftwerke in ihrer Klimagesamtbilanz den mit LNG befeuerten Gaskraftwerken mindestens ebenbürtig sind, hat der VDKi durch Studien und auch die Cornell Universität (Robert Howarth) wissenschaftlich dargelegt.
  • Politische Rückendeckung/ EU: Mit Bezug auf EU-Genehmigung (Zitat BMWE „sehr fraglich bis unmöglich“) sollte das Argument der relativ leeren Gasspeicher (20 % Füllstand in Deutschland) und einer sich abzeichnende Gaskrise ausreichend sein. Italien hat gerade den Kohleausstieg verschoben. Beim Ersatzkraftwerk-Bereithaltungsgesetz aus 2022 ist keine EU-Genehmigung bekannt. Wie der VDKi steht zum Beispiel auch die Saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger der Idee des Einsatzes der Reserve Steinkohleblöcke aufgeschlossen gegenüber.

Berlin, den 09. April 2026
V.i.S.d.P: Verein der Kohlenimporteure e. V., Jürgen Osterhage, Geschäftsführer